Die Grazer Synagoge

Alle im Grazer Stadtparlament vertretenen Parteien haben am 21. Oktober 1998 einstimmig die Wiedererrichtung der Synagoge beschlossen.

Im Auftrag der Stadtgemeinde Graz wurde der Synagogenbau durch den Einsatz des damaligen Präsidenten der IKG Graz Herrn Konsul Kurt David Brühl und Freunden der IKG ermöglicht


"Die neue Synagoge erhebt sich aus den Ruinen der alten ..."

Dieser Grundidee folgte die Planung des Architektenehepaares DI Jörg und DI Ingrid Mayr, indem ca. 9.600 Ziegel der alten 1892 eingeweihten und am 9. November 1938 niedergebrannten Synagoge für die neue Synagoge verwendet wurden. Diese Ziegel wurden von Schülerinnen und Schülern des Bundesrealgymnasiums Lichtenfelsgasse, der Höheren Techn. Bundeslehranstalt und der HASCH/HAK Grazbachgasse in mühevoller Arbeit gereinigt.

An Materialien wurden vor allem Ziegel, Stahlbeton und Glas verwendet. Die geometrischen Grundkörper Würfel und Kugel beschreiben den Zentral/Sakralraum der Synagoge und bestimmen auch das äußere Erscheinungsbild.

Die tragende Konstruktion der verglasten Kuppel besteht aus 12 Stahlsäulen, die die 12 Stämme Israels repräsentieren sollen und sind paarweise durch Bögen verbunden und in der Kuppel in einem Davidstern vereint.

Die herrliche Kuppel besteht aus einer fünfteiligen Glaskonstruktion und soll die Zahl der Bücher Mose im Ersten Testament symbolisieren. In jedem Glassegment finden sich in hebräischer Schrift die jeweiligen Anfangs- bzw. Abschlußverse der einzelnen Wochenabschnitte aus den Büchern Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri und Deuteronomium.

Der Almemor (Bima), auf dem aus der Thora gelesen wird, nimmt die Mitte des Zentralraumes ein. Der gläserne Almemor ist über dem Gedenkstein aus dem Jahre 1988 errichtet.

Die Heilige Lade mit den Thorarollen steht in einer um zwei Stufen höher liegenden, raumhohen Nische an der Ostwand.

Die Bankreihen mit Klappsitzen für ca. 100 Personen sind an drei Seiten um den Almemor angeordnet. Eine Empore mit 45 Sitzplätzen ungibt den Hauptraum.

Im Untergeschoß befindet sich ein Kommunikationsraum für Vorträge, für Veranstaltungen der IKG Graz, etc.

Die Finanzierung erfolgte durch die Stadt Graz, durch das Land Steiermark und durch den Nationalfonds der österr. Bundesregierung.

Die Übergabe der neuen Synagoge an die IKG Graz erfolgte am 9. November 2000 in einem feierlichen Akt unter Anwesenheit von vielen Vertretern aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur und auch vieler von der Stadt Graz eingeladenen ehemaligen Grazerinnen und Grazer aus Israel, den USA, Großbritannien und anderen Ländern.
In der Vorbereitung und Durchführung des Rahmenprogrammes anlässlich der Wiedereröffnung wurde die IKG tatkräftig von den hiesigen säkularen Institutionen und den christlichen Religionsgemeinschaften unterstützt.

Auf dem Eingangsportal der Synagoge heißt es:
"Denn mein Haus wird ein Bethaus für alle Völker sein" (Jesaja 56/7)

Modelle der ehemaligen und neuen Synagoge

Seit 9.November 2000 prägt die neue Synagoge in positiver architektonischer Form das Grazer Stadtbild.
Unzählige Gruppen - erfreulicherweise vor allem Schulklassen - besuchten und besuchen die neue Synagoge und gewinnen einen Eindruck über das vergangene und gegenwärtige jüdische Leben in Graz.

Um bei diesen Führungen sowohl einen Eindruck über die am 9. November 1938 zerstörte Synagoge erlangen zu können - als auch einen direkten Vergleich zwischen beiden Bauwerken zu gewinnen - wurde die Firma Architekturmodellbau Nikolaus Kunath aus Graz beauftragt, Modelle beider Synagogen im Massstab 1:50 anzufertigen.

Quelle: unter anderem: Informationsbroschüre aus Anlass der Fertigstellung der Synagoge Graz durch das Hochbauamt der Stadt Graz